Archäologen haben eine 3.200 Jahre alte „Marke“ entdeckt

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Dieses Geschirr war bereits vor 3.200 Jahren bekannt und wurde nachgeahmt – Wissenschaftler bezeichneten es als eine „Marke“ der Antike
Eine alte „Marke“ – die bemalte Keramik von Qurayyah QPW 4, früher bekannt als „Madianit-Keramik“. Quelle: Marta Luciani, Qurayyah Joint Archaeological Project, CC BY 4.0.
22:00, 21.08.2026

Archäologen haben im Nordwesten Arabiens ein ungewöhnliches Beispiel für den Handel in der Antike entdeckt: Vor etwa 3.200 Jahren stellten lokale Handwerker bemalte Keramik in einem Stil her, der so unverwechselbar war, dass sie über Hunderte von Kilometern exportiert und in anderen Regionen nachgeahmt wurde.



Die Forscher schlagen vor, die Qurayyah-bemalte Keramik als antikes Pendant zur heutigen „Marke“ zu betrachten. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Marke im heutigen Sinne: Die Archäologen haben weder Firmennamen noch Logos oder Werbung gefunden. Als „Marke“ bezeichnen die Wissenschaftler eine beständige Kombination aus wiedererkennbarem Design, Herstellungstechnik, Herkunft, Verbreitung und Nachahmungen.

Das ungewöhnliche Geschirr wurde in einer Oase mitten in der Wüste hergestellt

Das Produktionszentrum war die antike Oase Kuraya im Nordwesten des heutigen Saudi-Arabiens.

Der Ort ist besonders interessant, da sich die Herstellung komplexer bemalter Keramik in einer recht rauen Umgebung entwickelte, in der der Zugang zu den für Töpfer notwendigen Ressourcen – Wasser, Ton und Brennstoff – begrenzt war.

Die ersten Varianten der „Qurayyah Painted Ware“ tauchten vor etwa 3.600 Jahren auf, an der Wende zwischen der mittleren und der späten Bronzezeit. Im Laufe der Zeit veränderte sich der Stil, und nach einigen Jahrhunderten entstand eine besonders farbenfrohe Variante, die von Forschern als QPW 4 bezeichnet wird.

Genau diese haben Wissenschaftler mit der Marke verglichen.

Die Gefäße waren anhand ihrer Verzierungen leicht zu erkennen

Vor etwa 3.200 Jahren begannen die Handwerker aus Qurayyah, reich verzierte Gefäße mit zweifarbigen Bemalungen herzustellen.

Darauf wurden geometrische Muster, Tiere und menschliche Figuren dargestellt, darunter auch Szenen, die von Forschern als rituell interpretiert werden.

Dadurch entwickelte sich ein beständiger visueller Stil, der diese Erzeugnisse deutlich von anderer Keramik der Region unterschied. Die Herstellungstradition war dabei keine kurzlebige Modeerscheinung: Die Töpferproduktion in Kuraja dauerte noch etwa tausend Jahre an, bis in die späte Eisenzeit hinein.

Chemische Analysen wiesen auf den Herstellungsort hin

Um zu klären, ob die berühmte bemalte Keramik tatsächlich in Kuraja hergestellt wurde, wandte das Team gleich mehrere Methoden an.

Die Archäologen untersuchten die Spuren der Gefäßformung, dünne Keramikschnitte unter einem Polarisationsmikroskop sowie die chemische Zusammensetzung des Tons. Für Letzteres wurde eine Neutronenaktivierungsanalyse eingesetzt, die es ermöglicht, selbst die Konzentrationen von Spurenelementen zu vergleichen.

Als besonders wichtig erwies sich die Tatsache, dass auf dem Gelände der Oase selbst ein Töpferofen sowie Tausende von Produktionsabfällen gefunden wurden, darunter deformierte und fehlerhaft gebrannte Gefäße.

Allein unter den diagnostisch aussagekräftigen Fragmenten zählten die Forscher 3.209 Scherben, die mit der Herstellung in Verbindung standen. Die mineralische und chemische Zusammensetzung eines Teils der Keramik entsprach zudem den lokalen Rohstoffen.

Dies ermöglichte es, den Ursprung dieser Tradition mit weitaus größerer Sicherheit gerade mit Kuraja in Verbindung zu bringen.

Das Geschirr wurde über Hunderte von Kilometern transportiert

Die charakteristische Keramik blieb nicht nur innerhalb der Oase.

Gefäße und Fragmente ähnlicher Art wurden weit im Norden gefunden – in der Südlevante, darunter in Tell el-Heleife und im Heiligtum der ägyptischen Göttin Hathor in Timna.

Chemische Analysen bestätigten, dass einige dieser Funde tatsächlich aus demselben Material gefertigt waren wie die Keramik aus Kuraya. Dies lieferte ein direktes Argument für den Export der Keramik über Entfernungen von Hunderten von Kilometern.

Das Ausmaß des Handels lässt sich jedoch bislang nur schwer einschätzen. Eine chemisch bestätigte Herkunft wurde nur für eine begrenzte Anzahl von Gefäßen festgestellt, weshalb nicht automatisch davon ausgegangen werden kann, dass jede ähnliche Keramikscherbe in der Levante ein Import aus Arabien ist.

Die antike „Marke“ wurde nachahmt

Gerade diese Nachahmungen weckten das besondere Interesse der Forscher.

In anderen Regionen tauchten Gefäße auf, die charakteristische Elemente der „Qurayyah Painted Ware“ nachbildeten, jedoch – gemessen an den Rohstoffen und der Herstellungstechnik – bereits von lokalen Handwerkern gefertigt worden sein könnten.

Nach Ansicht der Autoren ähnelt dies einer Situation, in der ein wiedererkennbares und prestigeträchtiges Produkt so bekannt wird, dass Konkurrenten beginnen, sein Erscheinungsbild nachzuahmen.

Dabei könnte das visuelle System von Qurayyah selbst über die Keramik hinausgereicht haben: Ähnliche zweifarbige Dekorationstechniken finden sich auch auf anderen Gegenständen, darunter Kleinobjekte und Steinschnitzereien.

Warum bezeichnen Wissenschaftler dies überhaupt als Marke?

Die Autoren der Studie haben acht Merkmale vorgeschlagen, anhand derer sich ein antikes Produkt bedingt mit einer Marke vergleichen lässt.

Dazu gehören eine stabile visuelle Identität, die Beständigkeit der Materialien, technologische Kontinuität, eine konzentrierte Produktion, Export, lokale Nachahmungen, Produktion zum Tauschzweck sowie kultureller Ruf.

Nach Ansicht des Teams erfüllt QPW 4 alle diese Kriterien.

Doch genau hier verläuft die wichtige Grenze zwischen archäologischer Tatsache und Interpretation.

Wissenschaftler können zwar feststellen, wo die Gefäße hergestellt wurden, inwieweit sich ihre Herstellungstechnik ähnelt, wohin einzelne Exemplare transportiert wurden und wo Nachahmungen entstanden sind. Weitaus schwieriger ist es jedoch, unmittelbar nachzuweisen, dass die Käufer der Bronzezeit diese Erzeugnisse tatsächlich als „Marke“ im heutigen wirtschaftlichen Sinne wahrnahmen.

Schriftliche Kundenbewertungen, Markenzeichen oder Belege für Werbestrategien sind nicht erhalten geblieben.

Daher ist es hier korrekter, den Begriff „Marke“ in Anführungszeichen zu setzen – als analytischen Vergleich, den die Autoren der Studie vorschlagen.

Die „Madianit-Keramik“ erhielt eine neue Herkunft

Die Studie trägt zudem dazu bei, einen langjährigen archäologischen Streit beizulegen.

Die spätbemalte QPW-Keramik war lange Zeit als „Midianite Pottery“ – „Midianitische Keramik“ – bekannt. Über ihre Herkunft wurde jahrzehntelang diskutiert, und verschiedene Forscher brachten sie mit unterschiedlichen Regionen und kulturellen Traditionen in Verbindung.

Neue Erkenntnisse über Brennöfen, Produktionsabfälle, die mineralische Zusammensetzung und den chemischen „Fingerabdruck“ der Gefäße stützen die These, dass die Oase Kuraya das wichtigste Produktionszentrum war, in erheblichem Maße.

Dabei handelte es sich bei ihren Bewohnern nicht um eine isolierte Bevölkerung am Rande der antiken Welt. Die Techniken und die Gestaltung der Keramik weisen Verbindungen zur südlichen Levante, zu Syrien und zu den weitreichenderen Handelsnetzwerken der Bronzezeit auf.

Was die Archäologen nachgewiesen haben

Die zuverlässigste Schlussfolgerung der Untersuchung besteht nicht darin, dass es vor 3.200 Jahren bereits Marken im heutigen Sinne gab.

Die Archäologen haben gezeigt, dass Handwerker einer arabischen Oase eine langlebige, wiedererkennbare und technologisch beständige Warenart schufen, die sich weit über den Produktionsort hinaus verbreitete und zum Vorbild wurde.

Dies ähnelt erstaunlich stark einigen Funktionen einer modernen Marke – auch wenn die Bewohner von Kuraya selbst diesen Begriff natürlich nicht verwendeten.

Genau aus diesem Grund betrachten die Autoren QPW als ein seltenes Beispiel dafür, wie sich die Beziehungen zwischen Herstellern, Waren und Verbrauchern bereits lange vor der kapitalistischen Wirtschaft herausbilden konnten.

Quelle

Studie:„Creating a brand. Genesis, transformation and diffusion of Qurayyah Painted Ware“.

Autoren: Marta Luciani und Mitautoren.

Zeitschrift: PLOS ONE, 2026.

Veröffentlicht: 19. August 2026.

Myroslav Tchaikovsky
schreibt über Archäologie bei SOCPORTAL.INFO

Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.

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