Wissenschaftler haben den „wahren Fluch der Mumie“ aufgedeckt – und es stellte sich heraus, dass es sich nicht um Mystik handelte
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„Der Fluch der Mumie“ könnte durchaus real sein – nur dass es dafür keinerlei Mystik bedarf. Forscher haben den Markt für mumifizierte menschliche und tierische Überreste im Internet untersucht und vor potenziellen biologischen und chemischen Risiken gewarnt. In den Anzeigen wurden Köpfe, Hände, Füße und andere Teile menschlicher Körper angeboten, wobei einige Überreste Anzeichen von Verfall aufwiesen und die Verkäufer kaum auf die Regeln für den sicheren Umgang eingingen.
Ein Team unter der Leitung der Bioarchäologin Kirsty Squires von der University of Staffordshire analysierte 128 Veröffentlichungen und Anzeigen, die in sozialen Netzwerken, Online-Shops, auf Handelsplattformen und auf den Websites von Auktionshäusern veröffentlicht worden waren.
Es stellte sich heraus, dass sowohl Tiermumien als auch echte menschliche Überreste online verkauft werden, wobei es sich bei weitem nicht nur um ganze Leichen handelt.
Besonders häufig wurden einzelne Körperteile angeboten – Hände und Füße. Mehr als die Hälfte der Stichprobe, nämlich 51,6 %, bestand aus Köpfen in unterschiedlichem Erhaltungszustand: ganze oder teilweise erhaltene mumifizierte Köpfe, Schädel mit Haut- und Haarresten sowie sogenannte „verkleinerte Köpfe“.
An einigen Überresten wurden Anzeichen von Zersetzung festgestellt
Die Forscher entdeckten in den Anzeigen Objekte mit äußeren Anzeichen von biologischem Zerfall – also der Zersetzung biologischen Materials.
Das Problem besteht darin, dass mumifizierte Gewebe nicht allein deshalb vollständig steril sind, weil sie Hunderte oder Tausende von Jahren alt sind. Bei ungeeigneter Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Lagerung können sich auf organischem Material Mikroorganismen, darunter auch Pilze, entwickeln.
Dabei ist eine potenzielle mikrobielle Besiedlung nicht unbedingt mit bloßem Auge gut erkennbar. Daher darf selbst ein äußerlich gut erhaltenes Objekt nicht automatisch als sicher angesehen werden.
Die Autoren betonen, dass die Studie auf der Analyse von Anzeigen und Abbildungen basiert: Sie haben keine mikrobiologischen Labortests an jedem zum Verkauf stehenden Objekt durchgeführt. Daher handelt es sich um ein potenzielles Risiko und nicht um den Nachweis des Vorhandenseins eines gefährlichen Pilzes auf jeder Mumie.
Der wahre „Fluch“ könnte in Pilzsporen verborgen sein
Eine der größten Gefahren geht von Mikroorganismen aus, die sich auf alten organischen Materialien erhalten können.
Beim Transport, beim Auspacken oder bei der Zerstörung einer Mumie können Pilzsporen in die Luft gelangen. Die Forscher weisen besonders auf Aspergillus hin – eine Gattung von Schimmelpilzen, von der einige Vertreter bei Menschen mit erhöhter Anfälligkeit schwere Erkrankungen auslösen können.
Genau aus diesem Grund haben die Autoren das Bild des „wahren Fluchs der Mumie“ verwendet: Die tatsächliche Gefahr könnte nicht mit alten Zaubersprüchen zusammenhängen, sondern mit biologischem Material, das lange Zeit unter ungeeigneten Bedingungen gelagert wurde.
In Mumien können auch giftige Substanzen zurückbleiben
Es gibt noch ein weiteres potenzielles Problem.
Zur Einbalsamierung und späteren Konservierung menschlicher Überreste wurden im Laufe der Geschichte verschiedene chemische Substanzen verwendet. Darunter könnten Verbindungen aus Arsen, Quecksilber und Blei gewesen sein.
Dies bedeutet, dass das unbekannte Objekt aus einer Privatsammlung potenziell nicht nur ein biologisches, sondern auch ein chemisches Risiko darstellen könnte.
Hier ist jedoch auch ein Vorbehalt wichtig: Im Rahmen der Analyse von 128 Online-Anzeigen haben die Forscher den Gehalt an Schwermetallen in den einzelnen zum Verkauf stehenden Exemplaren nicht direkt gemessen. Sie weisen auf das bekannte Risiko hin, das mit historischen Einbalsamierungs- und Konservierungsmethoden verbunden ist.
Einige Verkäufer fassten die Mumien mit bloßen Händen an
Den Autoren zufolge spielte das Thema Sicherheit in den Produktbeschreibungen praktisch keine Rolle.
Auf einigen veröffentlichten Fotos hielten Personen mumifizierte menschliche Überreste ohne Handschuhe oder andere Schutzausrüstung in den Händen.
Die Forscher wiesen zudem auf Kommentare zum charakteristischen „Mumiengeruch“ hin, der mit dem Zerfall organischen Materials einhergehen kann.
Dabei wurden einzelne Objekte in gewöhnlichen Wohnräumen ohne Schutzvitrinen und ohne erkennbare Klimaregulierung ausgestellt.
Die menschlichen Überreste wurden per Standardpost versandt
Ein noch ungewöhnlicheres Problem betrifft den Versand.
Die Forscher fanden Hinweise darauf, dass mumifizierte menschliche Überreste sowohl innerhalb der Länder als auch ins Ausland an Käufer versandt werden.
In einem Fall erhielt ein Käufer in den USA mumifizierte Überreste, die aus Großbritannien über Royal Mail versandt worden waren. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass die Vorschriften der Post solche Sendungen verbieten.
Dadurch sind nicht mehr nur Verkäufer und Sammler einem potenziellen Risiko ausgesetzt.
Mit dem verschlossenen Paket können Mitarbeiter von Lagern, Sortierzentren, Kuriere und Zollbeamte in Kontakt kommen, die nicht wissen, was sich darin befindet, und daher keine entsprechenden Schutzmaßnahmen ergreifen.
Warum sich Wissenschaftler an den „Fluch der Mumie“ erinnerten
Die Legende vom Fluch gewann nach der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun im 20. Jahrhundert besonders an Popularität, als der Tod einiger Personen, die mit den Ausgrabungen in Verbindung standen, übernatürlichen Kräften zugeschrieben wurde.
Heutige Forscher ziehen eine weitaus prosaischere Erklärung für mögliche Risiken in Betracht – Mikroorganismen, Staub und giftige Substanzen.
In der wissenschaftlichen Arbeit wird auch die Geschichte der Öffnung des Grabes des polnischen Königs Kasimir IV. in den 1970er Jahren erwähnt. Nach den Arbeiten starben mehrere Fachleute, und die Einwirkung von Schimmelpilzen wurde anschließend als einer der möglichen Faktoren diskutiert. Die Autoren stellen zudem die Hypothese auf, dass eine Pilzinfektion bei der Erkrankung von Lord Carnarvon nach der Öffnung des Grabes von Tutanchamun eine Rolle gespielt haben könnte.
Diese historischen Ereignisse sollten jedoch nicht als Beweis für eine allgemeine „tödliche Gefahr“ durch antike Mumien gewertet werden.
Die Autoren sind der Ansicht, dass die Vorschriften für den Online-Handel und den Transport menschlicher Überreste einer klareren Regelung bedürfen.
Ihrer Ansicht nach muss die Aufmerksamkeit nicht nur den Verkäufern und Käufern gelten, sondern auch den Handelsplattformen, Kurierdiensten, Postdiensten und Zollbehörden.
Das Problem besteht darin, dass das moderne Internet den internationalen Markt für ungewöhnliche menschliche Überreste deutlich zugänglicher gemacht hat, während das Wissen über die möglichen Risiken beim Umgang mit solchen Objekten nach wie vor begrenzt ist.
Warum dies wichtig ist
Die Studie zeigt, dass sich hinter der spektakulären Legende vom „Fluch der Mumie“ ein durchaus aktuelles Problem verbirgt.
Antike und historische menschliche Überreste können sich heute nicht mehr unbedingt in einem musealen Labor mit Temperaturkontrolle und Schutzvorkehrungen befinden, sondern in einer Privatwohnung, einem Online-Shop oder einem gewöhnlichen Briefkasten.
Und die Gefahr hängt dabei nicht mit Mystik zusammen, sondern mit einer Kombination aus altem organischem Gewebe, möglicher mikrobieller Besiedlung, historischen Chemikalien und unsachgemäßer Lagerung.
Dabei belegt die Studie nicht, dass alle zum Verkauf stehenden Mumien gefährlich oder mit Pilzen befallen sind. Ihre wichtigste Schlussfolgerung lautet: Solche Objekte können ein unterschätztes Risiko darstellen, während der Online-Markt Fragen der Biosicherheit praktisch nicht berücksichtigt.
Quelle
Studie: Kirsty Squires, Dario Piombino-Mascali, Clara Urzì, Damien Huffer. The Real Mummy’s Curse: Health Risks Associated with the Sale and Trade of Mummified Remains.
Zeitschrift: International Journal of Cultural Property, 2026.
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Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.











