Wissenschaftler haben den Mythos über die Dummheit des ausgestorbenen Dodo-Vogels in Frage gestellt

  1. Startseite
  2. Wissenschaft
  3. Wissenschaftler haben den Mythos über die Dummheit des ausgestorbenen Dodo-Vogels in Frage gestellt
Der Schädel des Dodo hat gezeigt, dass der ausgestorbene Vogel möglicherweise gar nicht dumm war
Ein Dodo-Schädel aus der Sammlung des Dänischen Naturkundemuseums. Quelle: Dänisches Naturkundemuseum.
18:00, 06.08.2026

Der Dodo wurde jahrhundertelang als träges und unvernünftiges Tier dargestellt, das angeblich zum Aussterben verurteilt war. Eine neue Untersuchung eines der seltensten Schädel der Welt hat diesen Ruf jedoch nicht bestätigt. Eine digitale Rekonstruktion hat gezeigt, dass der Dodo hinsichtlich der Entwicklung des Vorderhirns modernen Tauben und Turteltauben in nichts nachstand, die Welt um sich herum jedoch möglicherweise anders wahrnahm.



Weltweit sind nur zwei vollständige Dodo-Schädel erhalten geblieben. Der eine befindet sich in der Sammlung des Dänischen Naturkundemuseums in Kopenhagen, der andere im Naturkundemuseum der Universität Oxford.

Vor der Eröffnung des neuen Museumsgebäudes in Dänemark bot sich den Forschern die seltene Gelegenheit, eine hochpräzise Computertomographie des Kopenhagener Exemplars durchzuführen.

Insgesamt wurden die CT-Daten von drei Dodo-Schädeln in die Untersuchung einbezogen, darunter auch die beiden vollständigen Exemplare. Dies ermöglichte es, deren Aufbau zu vergleichen und festzustellen, welche anatomischen Merkmale tatsächlich für die ausgestorbene Art charakteristisch waren.

Details

Das Gehirn des Vogels selbst ist nicht erhalten geblieben. Im Laufe seiner Entwicklung hinterließ es jedoch Abdrücke auf der Innenfläche des Schädels.

Anhand der Aufnahmen erstellten die Wissenschaftler einen Endokast – ein dreidimensionales digitales Modell der Höhle, die einst vom Gehirn eingenommen wurde. Anschließend verglichen sie diesen mit den Daten heutiger Tauben und Turteltauben, den nächsten heute lebenden Verwandten des Dodo.

Die Rekonstruktion ergab nicht, dass die relative Größe des Vorderhirns des Dodo geringer war als bei diesen Vögeln. Daher fanden die Forscher keine anatomischen Gründe, den Dodo als besonders dumm einzustufen.

Allerdings lässt sich anhand der Gehirngröße allein die Intelligenz eines ausgestorbenen Tieres nicht genau einschätzen. Die Autoren kamen lediglich zu dem Schluss, dass die neue Studie das Klischee von den verminderten kognitiven Fähigkeiten des Dodos nicht bestätigt.

Die Schädelstruktur wies zudem auf weitere Besonderheiten der Wahrnehmung hin.

Im Vergleich zu heutigen Tauben könnte der Dodo über relativ große Geruchsareale im Gehirn verfügt haben. Dies lässt vermuten, dass er sich bei der Nahrungssuche stärker auf Gerüche verließ.

Der große Oberschnabel könnte dem Vogel zudem dabei geholfen haben, taktile Informationen zu gewinnen, wenn er den Boden oder die Vegetation absuchte. Anhand einzelner Knochen lässt sich jedoch nicht genau feststellen, wie empfindlich der Schnabel war und wie genau der Dodo ihn einsetzte.

Die Wissenschaftler vermuteten zudem, dass der Vogel nicht nur tagsüber, sondern auch in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv gewesen sein könnte. Diese Hypothese betrachten die Autoren als vorläufig, da die Rekonstruktion des Schädels keine verlässliche Rückschlüsse auf den Tagesablauf des Tieres zulässt.

Woher stammt der Mythos vom dummen Dodo?

Der Dodo lebte auf der Insel Mauritius, auf der es lange Zeit keine großen Landraubtiere gab. Aus diesem Grund hatte der Vogel möglicherweise keine Angst vor den Menschen, die auf der Insel auftauchten, und den von ihnen mitgebrachten Tieren.

Ein solches Verhalten wurde nicht selten als Zeichen von Dummheit gewertet. Die fehlende Angst vor einer unbekannten Bedrohung war jedoch eher das Ergebnis einer langwierigen Evolution in einer isolierten Inselumgebung.

Der Dodo starb in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus. Zu seinem Aussterben führten die Jagd, die Zerstörung seines Lebensraums und das Auftreten invasiver Tierarten, die seine Nester plünderten.

Warum dies wichtig ist

Die Studie trägt dazu bei, wissenschaftliche Erkenntnisse vom kulturellen Bild des Dodos als ungeschickter und unvernünftiger Vogel zu trennen.

Die neue Rekonstruktion liefert zwar keine vollständige Antwort auf die Frage nach dem Verhalten der ausgestorbenen Art, lässt jedoch vermuten, dass der Dodo über eine besondere Kombination sensorischer Anpassungen verfügte: einen ausgeprägten Geruchssinn, möglicherweise eine Empfindlichkeit des Schnabels sowie flexiblere Aktivitätszeiten.

Dies zeichnet das Bild eines komplexeren Vogels, der an das Leben auf einer isolierten tropischen Insel angepasst war, und nicht das eines biologisch „missglückten“ Tieres.

Quelle

Die Forscher analysierten CT-Daten von drei Dodo-Schädeln, darunter die beiden einzigen bekannten vollständigen Exemplare, und rekonstruierten den Schädelinnenraum, um ihn mit dem moderner Tauben und Turteltauben zu vergleichen.

Studie: „The sensory world of the Dodo and Solitaire revealed by endocast and skull anatomy“.

Zeitschrift: Zoological Journal of the Linnean Society, 2026.

Mykola Potyka

Mykola Potyka verfügt über ein breites Spektrum an Kenntnissen und Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen. Mykola schreibt auf interessante Weise über Dinge, die ihn interessieren.

Nachrichten nach Themen

Populäre Nachrichten

Kriegsnachrichten