Das Mondlicht trug dazu bei, das Rätsel um die heiligen Paviane Ägyptens zu lüften

  1. Startseite
  2. Wissenschaft
  3. Das Mondlicht trug dazu bei, das Rätsel um die heiligen Paviane Ägyptens zu lüften
Wissenschaftler haben die Verbindung zwischen den heiligen Pavianen Ägyptens und dem Gott Thot erläutert
Er in der Gestalt eines Pavians. Foto: Catherine Hobaiter.
16:30, 25.07.2026

Wissenschaftler haben eine neue Erklärung dafür vorgelegt, warum die alten Ägypter Paviane als heilig betrachteten und sie mit Thot – dem Gott der Weisheit, der Schrift, der Magie und des Mondes – in Verbindung brachten.



Die Spektralanalyse ergab, dass das silberfarbene Fell der Gamadryle und das helle Gefieder der heiligen Ibisse das Licht auf ähnliche Weise wie der Mond reflektieren. Die Forscher vermuten, dass gerade diese gemeinsame Eigenschaft dazu geführt haben könnte, dass zwei völlig unterschiedliche Tiere als irdische Verkörperungen ein und derselben Gottheit angesehen wurden.

Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Time and Mind“ veröffentlicht.

Warum wurde Thot durch zwei verschiedene Tiere dargestellt?

Die meisten altägyptischen Götter wurden vorwiegend mit einer einzigen Tierart in Verbindung gebracht. Thot bildete jedoch eine Ausnahme.

Er wurde als Mensch mit dem Kopf eines heiligen Ibisses sowie in Gestalt eines Gamadryls – eines großen Pavians mit silbernem Fell – dargestellt.

Thot galt als Schutzpatron des Wissens, der Schrift, des Rechnens und der Magie. Er stand zudem in enger Verbindung zum Mond, der den alten Ägyptern half, die Zeit zu messen und einen Kalender zu erstellen.

Die Verbindung des Ibisses mit dem Mond ließ sich vergleichsweise leicht erklären. Sein langer, gebogener Schnabel erinnert an eine Mondsichel, und sein schwarz-weißes Gefieder wird mit dem Wechsel von Licht und Dunkelheit assoziiert.

Warum die Ägypter jedoch dem Pavian denselben heiligen Status zuschrieben, blieb lange Zeit ein Rätsel.

Wissenschaftler verglichen das Fell der Tiere mit dem Mondlicht

Forscher der Universitäten St. Andrews und Dartmouth beschlossen zu untersuchen, ob die Antwort möglicherweise in der Färbung der Tiere zu finden sei.

Dazu nutzten sie die Spektroskopie – eine Methode, mit der sich bestimmen lässt, welche Wellenlängen des Lichts von einer Oberfläche reflektiert werden.

Dieser Ansatz hilft dabei, subjektive Beschreibungen wie „silbern“ oder „wie Mondlicht“ zu vermeiden. Die Wahrnehmung von Farben hängt nicht nur von der Beleuchtung ab, sondern auch vom kulturellen Kontext und den Besonderheiten des menschlichen Sehvermögens.

Die Messungen ergaben, dass sich die spektralen Eigenschaften des hellen Gefieders des Heiligen Ibisses und des Fells des Gamadrils praktisch nicht von denen des Mondlichts unterscheiden.

Nach Ansicht der Autoren könnte gerade diese „mondähnliche“ Färbung die beiden Tiere in den religiösen Vorstellungen der alten Ägypter miteinander verbunden haben.

Warum wählten die Ägypter gerade diese Arten?

Die alten Ägypter kannten mehrere Ibisarten, verbanden mit Thot jedoch gerade den heiligen Ibis mit seinem strahlend weißen Gefieder.

Ihnen waren auch verschiedene Primaten bekannt, darunter mehrere Pavian- und Affenarten. Doch gerade der silberne Hamadryas-Affe wurde zur göttlichen Verkörperung von Thot.

Die Tiere unterscheiden sich stark in ihrem Körperbau, ihrem Verhalten und ihrer Lebensweise. Was sie verbindet, ist ihre auffällige helle Färbung, die bei bestimmter Beleuchtung an den Schein des Mondes erinnern kann.

Forscher gehen davon aus, dass dieses gemeinsame Merkmal bei der Auswahl der Tiere für die Darstellung von Thot eine wichtige Rolle gespielt haben könnte.

Warum die alten Ägypter Paviane verehrten

Die Einstellung der Bewohner des alten Ägyptens gegenüber Pavianen war für afrikanische Kulturen ungewöhnlich.

Diese Primaten können Ernten zerstören und mit Menschen um Nahrung in Konflikt geraten. Daher wurden sie in vielen Gesellschaften traditionell als Schädlinge oder gefährliche Tiere angesehen.

Die Ägypter hingegen verehrten Paviane nicht nur, sondern verbanden sie auch mit einem der wichtigsten Götter ihres Pantheons. Die Tiere wurden in Tempeln gehalten, mumifiziert und im Rahmen religiöser Rituale geopfert.

Die Autoren der Studie vermuten, dass die ungewöhnliche Färbung der Gambadille dazu beigetragen haben könnte, diese außergewöhnliche symbolische Verbindung herzustellen.

Ist die Hypothese zur mondförmigen Färbung bewiesen?

Die spektrale Ähnlichkeit beweist nicht, dass die alten Ägypter den Ibis und den Pavian ausschließlich aufgrund ihrer Färbung ausgewählt haben.

Die Forscher können nicht direkt feststellen, von welchen Motiven sich die Menschen vor Tausenden von Jahren leiten ließen. Religiöse Symbolik ergibt sich in der Regel aus einer Kombination aus dem Aussehen des Tieres, seinem Verhalten, seinem Lebensraum, der Mythologie und rituellen Traditionen.

Daher schlagen die Autoren eine neue wissenschaftliche Hypothese vor und nicht die endgültige Lösung des Rätsels.

Dennoch zeigt die Spektralanalyse, dass der Zusammenhang zwischen beiden Tieren und dem Mondlicht nicht auf einen subjektiven visuellen Eindruck beschränkt ist.

Warum dies wichtig ist

Die Studie verdeutlicht, wie naturwissenschaftliche Methoden zur Erforschung alter Religionen und Symbole genutzt werden können.

Mithilfe der Spektroskopie konnten die physikalischen Eigenschaften der Tierfärbung untersucht und anschließend mit archäologischen, linguistischen und historischen Daten abgeglichen werden.

Ein solcher interdisziplinärer Ansatz ermöglicht es, sich vorsichtig dem Verständnis anzunähern, wie die alten Ägypter die sie umgebende Welt wahrnahmen und die natürlichen Merkmale der Tiere in religiöse Bilder umwandelten.

Quelle

Studie: „Moonlight and the apotheosis of sacred baboons“.

Autoren: Nathaniel J. Dominy und Mitautoren.

Zeitschrift: „Time and Mind“.

Erscheinungsjahr: 2026.

Myroslav Tchaikovsky
schreibt über Archäologie bei SOCPORTAL.INFO

Unabhängiger Forscher, der sich für Archäologie und sakrale Geografie interessiert. Er erforscht diese Themen und schreibt über sie.

Nachrichten nach Themen

Populäre Nachrichten

Kriegsnachrichten