Warum selbst gute Teams mit der Zeit immer schlechter werden

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Forscher haben herausgefunden, warum die Zusammenarbeit in Gruppen allmählich schwächer wird
21:00, 24.04.2026

Forscher haben herausgefunden, dass Menschen in Gruppen anfangs oft aktiv kooperieren, aber im Laufe der Zeit lässt diese Einstellung allmählich nach - selbst wenn die äußeren Bedingungen gut bleiben. Das ist wichtig, denn das Problem sind vielleicht nicht Geld oder Regeln, aber die Motivation zur Zusammenarbeit muss ständig erneuert werden.



Die Autoren der Studie analysierten die Funktionsweise eines Gruppen-Mikrokreditsystems in Sierra Leone. Bei diesem Modell erhält nicht eine Einzelperson, sondern eine Gruppe ein Darlehen. Wenn ein Mitglied seine Zahlungen einstellt, riskiert die gesamte Gruppe, den Zugang zu neuen Darlehen zu verlieren. Die Forscher verfolgten das Verhalten von 7.108 Kreditnehmern in 1.589 Gruppen und untersuchten 47.931 Zahlungen über fünf Jahre.

Die Details

Es stellte sich heraus, dass die Zusammenarbeit normalerweise nicht über Nacht zusammenbricht. Die Forscher bezeichnen es als "intermittierenden Rückgang": Innerhalb eines Kreditzyklus zahlen die Teilnehmer zunächst diszipliniert, doch dann nimmt ihre Bereitschaft, der Gruppe zu helfen, allmählich ab. Wenn ein neuer Kreditzyklus beginnt und die Menschen wieder an ihre gemeinsame Verantwortung erinnert werden, steigt die Zusammenarbeit wieder stark an. Aber dann wiederholt sich der Rückgang - und in den folgenden Zyklen geschieht er oft noch schneller.

Nach Einschätzung der Autoren lag es nicht so sehr daran, dass den Menschen das Geld fehlte, sondern vielmehr daran, dass die Bereitschaft, sich für andere einzusetzen, mit der Zeit abnahm. Die Teilnehmer waren zwar geneigt, weiterhin ihren eigenen Anteil zu zahlen, aber die Bereitschaft, jemand anderem im Team "unter die Arme zu greifen", nahm deutlich schneller ab. In Interviews bezeichneten die Teilnehmer dies als Lockerheit, Sturheit oder als Verlust des Bewusstseins für kollektive Verantwortung.

Warum das wichtig ist

Die Untersuchung zeigt, dass Zusammenarbeit kein stabiler Zustand ist, der einmal eingeschaltet wird und sich dann von selbst einstellt. Vielmehr bedarf es einer regelmäßigen "Auffrischung": Erinnerungen, Neufestlegung von Regeln, ein gemeinsamer Fokus und ein Gefühl der gegenseitigen Verantwortung.

Dies ist nicht nur für Mikrokredite wichtig. Die Schlussfolgerungen lassen sich auf Arbeitsteams, Gemeinschaften, gemeinschaftliche Projekte und jede Gruppe übertragen, bei der das Ergebnis vom kontinuierlichen Beitrag vieler Menschen abhängt. Selbst wenn das System anfangs gut etabliert ist, kann die Zusammenarbeit ohne einen klaren äußeren Anlass langsam auseinanderfallen.

Hintergrund

Die Arbeit wurde in Nature veröffentlicht. Ein begleitender Kommentar in derselben Zeitschrift unterstreicht die wichtigste Schlussfolgerung: Die Zusammenarbeit beim Menschen durchläuft ständig Zyklen des Verfalls und der Erholung, so dass sie nicht als etwas betrachtet werden kann, das nach einem erfolgreichen Start automatisch bestehen bleibt.

Quelle

Nicholas Sabin, David Klinowski, Felix Reed-Tsochas, Punctuated decline of human cooperation, Nature (2026). Kommentar: Jiabin Wu, Human cooperation undergoes constant breakdown and repair, Nature (2026).

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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