Wissenschaftler haben herausgefunden, warum Hunde weltweit die besten Freunde des Menschen bleiben
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Hunde sind nicht nur in Wohnungen, auf Sofas und in Parks an der Seite des Menschen zu finden. Eine neue Studie hat gezeigt: Selbst in Gesellschaften, in denen Hunde in erster Linie als Jagd- oder Wachhunde und nicht als Haustiere gehalten werden, ist ihre Bindung zu Menschen erstaunlich ähnlich aufgebaut.
Ein internationales Team unter der Leitung von Wissenschaftlern der Universität Jena und des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie untersuchte 164 „Hund-Besitzer“-Paare in fünf ländlichen Gemeinden: in Vanuatu, der Mongolei, Madagaskar, Peru und Deutschland.
Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.
Die Schlussfolgerung ist einfach: Hunde in verschiedenen Teilen der Welt sind in der Lage, Menschen zu verstehen, Hinweise von ihnen zu erkennen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dabei handelt es sich nicht nur um westliche Haustiere, sondern um Arbeits- und Jagdhunde, die unter sehr unterschiedlichen kulturellen und natürlichen Bedingungen leben.
Details
Der Großteil der Studien zum Verhalten von Hunden wurde bislang in sogenannten WEIRD-Gesellschaften durchgeführt – also in westlichen, gebildeten, industrialisierten, reichen und demokratischen Ländern. Doch etwa drei Viertel aller Hunde weltweit leben ganz anders als städtische Haustiere: Viele bewegen sich frei, jagen, bewachen Häuser und interagieren mit Menschen unter anderen sozialen Bedingungen.
Um zu überprüfen, inwieweit die Bindung zwischen Mensch und Hund universell ist, entwickelten die Forscher eine Reihe von sechs Verhaltenstests sowie einen Fragebogen für die Besitzer. Sie untersuchten, ob der Hund auf den Ruf hin kommt, ob er die Zeigegeste des Menschen versteht, ob er seinem Besitzer zeigen kann, wo Futter versteckt ist, ob er unter Beobachtung verbotene Nahrung meidet, ob er den Menschen in einer schwierigen Situation ansieht und ob er die Reaktion seines Besitzers nutzt, wenn er auf ein unbekanntes Objekt trifft.
An der Studie nahmen Jagdhunde teil: 34 Paare im ländlichen Deutschland, 30 in Vanuatu, 35 in der Mongolei, 33 auf Madagaskar und 32 in Peru. Die Autoren wählten gerade die Jagd als Untersuchungsfeld, da diese eine der ältesten und am weitesten verbreiteten Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Hund darstellt.
Was die Tests zeigten
Die Hunde in den verschiedenen Ländern verhielten sich oft sehr ähnlich. Sie konnten einer zeigenden Geste des Menschen folgen, um verstecktes Futter zu finden, und kommunizierten bei einer Reihe von Aufgaben erfolgreich mit ihren Besitzern, wenn nur der Hund wusste, wo sich die Leckerei befand.
Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Hunde schauten in unklaren Situationen häufig zu den Menschen hin. Das bedeutet, dass sie nicht einfach nur neben dem Menschen leben, sondern dessen Verhalten aufmerksam verfolgen und es als Informationsquelle nutzen.
Einfacher ausgedrückt: Ein Hund in der mongolischen Steppe, in den Wäldern von Vanuatu oder im ländlichen Deutschland mag sich in seinen Gewohnheiten, seiner Erziehung und seiner Rolle im Haushalt unterscheiden. Das Grundmuster der Interaktion mit dem Menschen bleibt jedoch ähnlich: beobachten, Signale verstehen, kooperieren und Unterstützung suchen.
Hunde erwiesen sich nicht nur als „nützlich“
Umfragen unter Hundebesitzern haben gezeigt, dass Hunde nicht nur als Arbeitstiere wahrgenommen werden. In allen fünf Ländern gaben die Besitzer an, dass sie es genießen, zumindest einen Teil der Zeit mit ihren Hunden zu verbringen, und fast alle betonten, dass das Leben dank ihres Hundes manchmal besser wird.
Mehr als 90 % der Besitzer in jedem Land gaben an, dass sie sich zumindest gelegentlich auf ihren Hund verlassen können. Weitere über 90 % waren der Meinung, dass der Hund sie in einer gefährlichen Situation beschützen würde.
Dies ist ein wichtiger Punkt: Selbst dort, wo Hunde nicht unbedingt als „Familienmitglieder“ im westlichen, städtischen Sinne wahrgenommen werden, bleiben sie für den Menschen sozial bedeutsame Partner.
Doch es gab auch Unterschiede
Die Studie besagt nicht, dass sich alle Hunde und Besitzer gleich verhalten. Es gab Unterschiede – und diese lassen sich gut durch die jeweilige Lebensweise vor Ort erklären.
Beispielsweise konnten die Besitzer in Vanuatu die Signale ihrer Hunde bei der Aufgabe mit dem versteckten Futter besonders gut deuten. Die Wissenschaftler führen dies auf die Jagd auf Wildschweine im dichten Wald zurück: Dort hängt der Jagderfolg stark davon ab, wie aufmerksam der Mensch das Verhalten des Hundes beobachtet.
Auch die deutschen Hunde stachen hervor. Sie näherten sich ihren Besitzern im Gehorsamkeitstest schneller, versuchten länger, eine unlösbare Aufgabe zu bewältigen, und orientierten sich stärker am Besitzer als an einem unbekannten Versuchsleiter. Die Autoren sind der Ansicht, dass dies mit der formalen Ausbildung von Jagdhunden und der starken Betonung der „Besitzer-Hund“-Beziehung im westlichen Kontext zusammenhängen könnte.
Warum Hunde dem Menschen so nahe gekommen sind
Hunde leben fast überall mit Menschen zusammen, jedoch nicht überall auf dieselbe Weise. In manchen Gesellschaften sind sie Haustiere, in anderen Jäger, Wächter, Helfer oder frei lebende Tiere. Eine neue Studie zeigt jedoch: Hinter diesen Unterschieden verbirgt sich eine gemeinsame Grundlage.
Diese hängt höchstwahrscheinlich mit der langen Geschichte des Zusammenlebens zusammen. Hunde wurden früher als viele andere Haustiere zu Partnern des Menschen, und ihre Zusammenarbeit mit den Menschen konnte sich durch Jagd, Schutz, den Austausch von Ressourcen und ständige Kommunikation entwickeln. Die Autoren betonen, dass sich die Beziehung zwischen Mensch und Hund als zugleich stabil und flexibel erwiesen hat: Sie besteht in verschiedenen Kulturen fort, passt sich jedoch den lokalen Gegebenheiten an.
Genau aus diesem Grund ist der Ausdruck „der beste Freund des Menschen“ in diesem Fall nicht nur eine schöne Metapher. Aus wissenschaftlicher Sicht geht es um die Fähigkeit von Hunden, menschliche Signale zu verstehen und sich an gemeinsamen Handlungen zu beteiligen.
Warum dies wichtig ist
Diese Studie erweitert das Verständnis von Hunden über das westliche Modell des „Haustiers in der Familie“ hinaus. Sie zeigt, dass die Beziehung zwischen Mensch und Hund nicht ausschließlich über die städtische Haustierkultur verstanden werden kann.
Selbst wenn ein Hund arbeitet, jagt, bewacht oder freier lebt als ein gewöhnliches Haustier, kann er für den Menschen dennoch ein Partner, eine Quelle der Hilfe und eine soziale Bindung bleiben.
Für die Wissenschaft ist dies auch deshalb wichtig, weil die meisten bisherigen Untersuchungen zum Verhalten von Hunden zu westlich geprägt waren. Die neue Studie zeigt: Um Hunde wirklich zu verstehen, muss man sie nicht nur in Laboren und städtischen Familien untersuchen, sondern auch in jenen Gesellschaften, in denen ihre Rolle näher an historischen Formen der Zusammenarbeit mit dem Menschen liegt.
Hintergrund
Hunde gehören zu den erfolgreichsten Partnerarten des Menschen. Sie leben auf fast allen Kontinenten Seite an Seite mit Menschen, doch ihre alltäglichen Rollen unterscheiden sich stark: von Begleitern über Jäger bis hin zu Wächtern.
Eine neue Studie zeigt, dass sich diese Bindung nicht auf Dressur oder die westliche Haustierkultur beschränken lässt. Unter unterschiedlichen Bedingungen lesen Hunde weiterhin menschliche Signale, suchen Hilfe bei Menschen und beteiligen sich an gemeinsamen Handlungen. Genau das macht ihre Bindung zum Menschen so beständig.
Quelle
Studie: Juliane Bräuer und Mitautoren, „Striking global similarities in dog–human interactions“, Scientific Reports, 2026.
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Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.












