Studie: Religiöse Frauen treiben genauso oft ab wie andere

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Glaube vs. Realität: Religion hat fast keinen Einfluss auf die Abtreibungsentscheidung
20:30, 26.09.2025

Religiöse Überzeugungen haben fast keinen Einfluss auf die Entscheidung von Frauen, ihre erste Schwangerschaft abzubrechen.



In vielen Ländern ist die Religion nach wie vor ein wichtiger Faktor, der die Einstellung der Menschen zum Schwangerschaftsabbruch prägt. Diejenigen, für die der Glaube eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt, halten Abtreibung eher für moralisch inakzeptabel. Eine neue Studie der Soziologin Amy Adamczyk zeigt jedoch, dass zwischen den Überzeugungen und den tatsächlichen Entscheidungen eine erhebliche Kluft besteht, berichtet The Conversation

In ihrem Buch Fetal Positions (2025) betont Adamczyk, dass eine starke Religiosität eine amerikanische Frau nicht weniger wahrscheinlich zu einer Abtreibung veranlasst, wenn es sich um ihre erste außereheliche Schwangerschaft handelt und keine Aussicht auf eine Ehe besteht.

Für die Studie wurden Daten aus der National Longitudinal Survey of Adolescent and Young Adult Health in den USA verwendet, in der das Leben von etwa 5.000 Frauen - vom Teenageralter bis Anfang der 2000er Jahre - sechs Jahre lang (Mitte der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre) verfolgt wurde.

Die Studie umfasste Informationen über die Religionszugehörigkeit, die Häufigkeit des Besuchs von Gottesdiensten, die Teilnahme an kirchlichen Aktivitäten, die Regelmäßigkeit des Gebets und die subjektive Bedeutung der Religion im Leben. Die Teilnehmer wurden auch zu ihrem Sexualverhalten, ihren Ansichten zum Schwangerschaftsabbruch, dem Vorhandensein außerehelicher Schwangerschaften und deren Ausgang befragt.

Das Ergebnis: Etwa 25 Prozent der Frauen, die zum ersten Mal außerehelich schwanger wurden, entschieden sich für eine Abtreibung - unabhängig davon, wie aktiv ihr religiöses Leben war.

Die Soziologen Lexi Milmain und Tina Fetner kamen zu ähnlichen Ergebnissen, als sie die Daten einer kanadischen Studie aus dem Jahr 2017 analysierten: Weder die Teilnahme an religiösen Gottesdiensten noch die Religionszugehörigkeit selbst hatten einen statistisch signifikanten Einfluss auf die Entscheidung für eine Abtreibung.

Während die "Intensität" des religiösen Lebens nicht direkt mit der Entscheidung zusammenhängt, hat die Art der Religion einen Einfluss. Die Studie von Adamczyk ergab, dass Frauen, die als Teenager konservativen protestantischen Kirchen angehörten, im Vergleich zu katholischen und gemäßigten protestantischen Frauen seltener eine Abtreibung vornehmen ließen - selbst bei gleichem Maß an religiöser Aktivität.

Konservative christliche Konfessionen (z.B. die Southern Baptist Convention) haben traditionell eine harte Haltung zur Abtreibung eingenommen. Auch die katholische Kirche ist offiziell dagegen, obwohl 6 von 10 amerikanischen Katholiken laut Umfragen der Meinung sind, dass Abtreibung in allen oder den meisten Fällen erlaubt sein sollte.

Es besteht also eine Diskrepanz zwischen der öffentlichen Einstellung und den persönlichen Entscheidungen. Während religiöse Menschen Abtreibung eher verurteilen, ist die Situation, wenn es um die tatsächliche Entscheidung geht, komplexer.

Für viele Frauen wird die Religion zu einem wichtigen Bezugsrahmen, aber nicht zu einem entscheidenden Faktor, insbesondere wenn es um die erste ungeplante Schwangerschaft außerhalb der Ehe geht. Es ist die Art der Religionszugehörigkeit (und nicht die Tiefe des Glaubens), die einen größeren Einfluss haben kann.

Es ist schwieriger, den Einfluss der Religion auf Entscheidungen über spätere Schwangerschaften nachzuvollziehen. Statistiken zeigen, dass etwa 60 % der Frauen, die in den USA eine Abtreibung vornehmen lassen, bereits mindestens ein Kind haben. Wie die Religion die Entscheidungen dieser Frauen beeinflusst, ist eine Frage, die weiterer Forschung bedarf.

Die Autoren betonen, dass die öffentliche Meinung im Bereich der reproduktiven Rechte oft von Ideologie geprägt ist, persönliche Entscheidungen aber viel individueller und kontroverser sind, als gemeinhin angenommen wird.

Maria Grynevych

Maria Grynevych, Projektmanagerin, Journalistin, Mitautorin des Reiseführers Heilige Berge der Dnjepr-Region, Vortragskurs: Kultische Topographie der mittleren Dnjepr-Region.

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