Die Angst davor, was die Leute sagen werden, kann die Psyche schädigen - Studie

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Warum die Angst vor dem Urteil für die Psyche gefährlich sein kann
Unsplash/CC0 Public Domain
23:00, 06.05.2026

Wissenschaftler haben ein neues psychologisches Phänomen beschrieben - die Athymiaphobie. Als Athymiaphobie bezeichnen Forscher die starke Angst, die Ehre und den Respekt anderer zu verlieren oder als "schamloser" Mensch gebrandmarkt zu werden. Diese Angst ist besonders in Kulturen verbreitet, in denen der Ruf der Familie, die soziale Anerkennung und die Einhaltung moralischer Normen wichtig sind.



Wichtig: Es handelt sich hierbei nicht um eine offiziell anerkannte Diagnose, sondern um ein neues psychologisches Konzept und eine Skala zu dessen Messung.

Einzelheiten

Die Studie wurde im PsyCh Journal veröffentlicht. Die Autoren schlugen den Begriff Atimiaphobie vor und entwickelten die 15-teilige Atimiaphobie-Skala, oder AtiPhoS. Sie soll die Angst vor dem Verlust von Ehre und Ansehen in vier Bereichen messen: Angst davor, als schamlos bezeichnet zu werden, Angst davor, gegen soziale Normen zu verstoßen, Angst vor öffentlicher Missbilligung und Angst vor dem Verlust der Selbstachtung oder Ehre.

Den Forschern zufolge kann sich die Athymiaphobie in aufdringlichen Gedanken, ständiger Vorsicht, emotionaler Anspannung und dem Wunsch äußern, sich den gesellschaftlichen Normen anzupassen, um nicht verurteilt zu werden.

Die Forscher haben auch festgestellt, dass ein höheres Maß an Athymiaphobie mit Angst und einem allgemeinen Schamgefühl verbunden ist. Darüber hinaus wurde eine starke Angst vor Verurteilung und 'Ehrverlust' mit einer geringeren sozialen Intelligenz in Verbindung gebracht - d.h. mit Schwierigkeiten, soziale Signale zu verstehen, Beziehungen aufzubauen und sich in der Gesellschaft selbstbewusst zu verhalten.

Weibliche und verheiratete Teilnehmer wiesen der Studie zufolge ein höheres Maß an Athymiaphobie auf. Die Autoren führen dies auf den stärkeren sozialen Druck auf diese Gruppen in Kulturen zurück, in denen Ehre, Ansehen der Familie und Konformität besonders wichtig sind.

Warum das wichtig ist

Der Satz "was die Leute sagen werden" klingt für viele Menschen banal, aber in manchen Gesellschaften kann er zu einer ständigen Quelle der Angst werden. Man fängt an, nicht nur auf die Meinung anderer zu achten, sondern auch in der Angst zu leben, öffentlich verurteilt zu werden, sich zu schämen oder den Ruf der Familie zu schädigen.

Dies ist wichtig für die psychische Gesundheit, denn eine solche Angst kann Angst, Scham, innere Anspannung und Vermeidung verstärken. Eine Person trifft ihre Entscheidungen möglicherweise nicht aufgrund ihrer Bedürfnisse, sondern aus Angst, gegen familiäre oder gesellschaftliche Erwartungen zu verstoßen.

Die Studie bedeutet jedoch nicht, dass jede Sorge um den Ruf pathologisch ist. Reputation, Respekt und Verhaltensnormen sind in vielen Kulturen wichtig. Das Problem beginnt dort, wo die Angst vor dem Verlust der Ehre übertrieben und zwanghaft wird und das Leben einer Person beeinträchtigt.

Hintergrund

Ehren- und Schamkulturen sind in der Psychologie und Anthropologie seit langem erforscht worden. In solchen Systemen ist die persönliche Identität oft eng mit der Familie, dem moralischen Ruf, dem Verhalten von Frauen und Männern, der Ehe, der Sexualität und der öffentlichen Meinung verbunden.

Die neue Arbeit legt nahe, dass die extreme Angst vor dem Verlust der Ehre als ein eigenständiges psychologisches Konstrukt betrachtet werden sollte. Der Hauptautor der Studie, Baqar Husain von der COMSATS Universität Islamabad, ist der Ansicht, dass die Schwere und die Merkmale der Athymiaphobie in einem klinischen Diagnoserahmen Beachtung verdienen. Dabei handelt es sich jedoch noch um die Position der Studienautoren und nicht um einen offiziellen Status in internationalen Klassifikationen psychischer Störungen.

Quelle

Die Studie Atimiaphobia: The undiscovered burden of honour cultures and shame societies on mental health - development and validation of the Atimiaphobia Scale wird im PsyCh Journal 2026 veröffentlicht.

Elena Rasenko

Elena Rasenko schreibt über Neuigkeiten aus Wissenschaft, gesunder Lebensweise und Psychologie und teilt ihre Tipps und Tricks zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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